Den Widerstandsgeist aus Nürnberg weitertragen!

Solidaritätserklärung von Kommunistischer Aufbau

Am Morgen des 31. Mai versuchte die bayerische Polizei einen
afghanischen Schüler in seiner Berufsschule festzunehmen und zum für ihn
vorgesehenen Abschiebeflug nach Afghanistan zu bringen. Dieser junge
Afghane sollte nach dem Willen der Polizei das gleiche Schicksal
erleiden wie tausende Menschen, die aus Ländern wie Afghanistan vor
Hunger, Krieg und Armut geflohen sind.
Er ist kein Einzelfall, aber ein Sonderfall:
Denn seine MitschülerInnen haben diese Abschiebung nicht akzeptiert,
sondern nach Kräften versucht sie zu verhindern.
Sie bildeten Sitzblockaden vor dem Polizeifahrzeug und zwangen die
Polizisten sich mit massiver Gewalt einen Weg durch die Menge zu bahnen,
um in einem anderen Fahrzeug mit dem festgenommenen  jungen Afghanen zu
fliehen.
Von Schülern, die sich vor das Polizeifahrzeug warfen, ließen sich die
Polizisten nicht aufhalten, sie nahmen Tote und Verletzte in Kauf.
Die Gewalt der Polizei führte nicht dazu, dass sich die MitschülerInnen
beugten, sondern, dass sie noch wütender wurden und noch entschlossener
Widerstand leisteten.

Die Wut und der Widerstand der SchülerInnen vom 31. Mai steht für die
besten Eigenschaften und Werte, die ausgebeuteten und unterdrückten
Menschen in Deutschland in sich tragen:
Sie stehen für Solidarität statt Rassismus und Spaltung.
Sie stehen dafür, die Heuchelei und die Lügen von sicheren
„Drittstaaten“ zu durchschauen.
Sie stehen für einen Willen zum Widerstand gegen offensichtliche
Ungerechtigkeiten, der größer ist als die Angst vor Repression.
Sie zeigen, dass in Nürnberg verstanden wurde: Was heute in Deutschland
Gesetz ist, ist alles andere als gerecht.
Sie zeigen auch: Diese Jugendlichen sind nicht bereit gewesen zu
akzeptieren, dass wie im deutschen Faschismus ihre Mitschüler vor ihren
Augen von der Staatsgewalt abgeholt und deportiert werden.

Die Gewalt der Polizei und die Festnahmen von mehreren Jugendlichen, die
nun in Untersuchungshaft sitzen, ist das logische Ergebnis dieser
Situation. Hier sind in unversöhnlicher Weise der Wille des Staates, der
eine Abschiebung und damit auch sein Gewaltmonopol durchsetzen wollte,
mit dem Willen von über dreihundert jungen Menschen aufeinander
geprallt, die diese Abschiebung um jeden Preis verhindern wollen.

Es ist der deutsche Imperialismus, der in jeder Hinsicht die
Verantwortung trägt für das was in Nürnberg geschehen ist: Afghanistan
ist seit Jahrzehnten im wechselnden Würgegriff verschiedener
Imperialisten. Es sind auch deutsche Bomben, die hunderttausende
Menschen gezwungen haben, ihre Heimat zu verlassen. Nun ist es der
gleiche Staat, der hunderttausende Menschen zurückschicken will in die
Hölle, zu der er ihre Heimat gemacht hat.

Einige derjenigen, die Widerstand geleistet haben, sitzen nun in Haft
und sollen dem Haftrichter vorgeführt werden. Aber viele mehr an dieser
Nürnberger Schule haben am 31. Mai den festen Willen entwickelt, weiter
zu kämpfen gegen Polizeigewalt und Abschiebungen. Sie werden in den
nächsten Tagen Aktionen folgen lassen und es gilt, diesen
Widerstandsgeist in alle anderen Ecken und Enden Deutschlands zu tragen.

Wir fordern:
Den Stopp aller Abschiebungen!
Den Abzug der Bundeswehr aus dem Ausland!
Die Freilassung aller, die am 31. Mai Widerstand geleistet haben!

Aufruf: Kommt zur Kundgebung gegen Polizeigewalt und Abschiebungen auf
den Rudolfplatz – 1. Juni um 19 Uhr